2020/21 – Blick voraus auf eine ungewisse Saison

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Lena Mader bei der Offenen Deutschen Frauenmeisterschaft 2020 in Erlangen (Foto: privat)

An dieser Stelle könnte ein freudestrahlender Vorbericht auf die Saison 2020/21 stehen, voll von positiven Meldungen über hochmotivierte Birkenfelder Spieler, das Ziel, in der 2. Pfalzliga um die Meisterschaft mitzukämpfen, hoffnungsvolle Nachwuchstalente, bärenstarke Neuzugänge. Aber über allem schwebt die Ungewissheit, ob es diese Saison überhaupt geben wird. Ein normaler Spielbetrieb, soweit ist klar, wird wegen der Beschränkungen in Folge der Corona-Pandemie nicht stattfinden können. Auf der Mitgliederversammlung des Pfälzischen Schachbundes im September wurde ein Ersatz-Spielbetrieb mit Vierermannschaften beschlossen. Vierermannschaften erlauben eine Personenzahl unter 10 pro Wettkampf, was uns damals als ein sinnvoller Kompromiss erschien. Mittlerweile ist auch das wieder Makulatur, der Start des Spielbetriebes wurde nach hinten verschoben und die Sorge, ob überhaupt Züge auf echten Schachbrettern und nicht nur im Internet ausgeführt werden können, ist allerorten zu vernehmen. Und doch soll es im Folgenden um all das Positive geben, das in den letzten Wochen unserem Verein widerfahren ist. Kurz: Es geht um hoffnungsvolle Nachwuchstalente und bärenstarke Neuzugänge.

Die magische Zahl 100

Seit wenigen Wochen ist unser Verein „dreistellig“: Wir zählen genau 100 aktive Mitglieder. Da abzusehen ist, dass sich zum Jahresende das eine oder andere Mitglied abmelden wird, stellt dies nur eine erfreuliche Momentaufnahme dar, aber es zeigt, dass selbst in Zeiten, in denen generell ein Vereinssterben beklagt und angesichts der Pandemie bereits das Ende vieler Schachklubs herbeigeredet wurde, die Schachfreunde Birkenfeld nach wie vor ein vitaler und attraktiver Verein sind, der neue Mitglieder anzieht. Als Vorsitzender bin ich sehr stolz auf diese Entwicklung!

 

Die Jugend auf dem Vormarsch

Es ist kein Geheimnis, dass gerade die Förderung unserer starken Jugendspieler ein besonderes Anliegen unseres Vereins ist. Zur Zeit sind 34 Jungs und Mädchen unter 18 Jahren Mitglied bei den Schachfreunden Birkenfeld, und selbst unter den gegenwärtigen Beschränkungen zeigen unsere Talente immer wieder, welche Spielstärke sie bereits besitzen. Bei der Deutschen Online-Liga, in der Mannschaften übers Internet Wettkämpfe austrugen, erreichte unser Team überraschend das Halbfinale ihrer Liga. Zu diesem Erfolg trugen wesentlich Niklas Leyendecker mit 4,5 Punkten aus 7 Vorrundenspielen sowie Milan Schneble mit 3 Punkten aus 5 Partien bei. Beide überzeugten auch mit guten Einzelresultaten: Niklas mit Platz 4 in einem starken U16-Feld der Rheinland-Pfalz-Meisterschaft, Milan mit Platz 8 in seiner DWZ-Gruppe beim Cup der Deutschen Einheit in Wernigerode. Und auch bei der deutschen Meisterschaft U12, wo wir durch Milan und Patrick Ehrlich vertreten waren, zeigten unsere Starter, dass sie im Konzert der besten Jugendspieler Deutschlands konkurrenzfähig sind; mit etwas Glück wäre der eine oder andere halbe oder ganze Punkt mehr drin gewesen.

 

Unsere Neuzugänge

Besonders erfreulich ist für jeden Verein der Beitritt starker Neuzugänge. Da für die kommende Saison der Einsatz von Gastspielern sehr vereinfacht wurde, kommen zu IM Herbert Bastian, Vladimir Paskalutsa, Marius Herrmany, Bert Schwarz und Verena Hippenstiel, die uns bereits in der vergangenen Saison unterstützten, einige neue Namen. Über den DWZ-stärksten von ihnen, Marcel Agné (SC Thallichtenberg) wurde bereits ein eigener Bericht veröffentlicht. Hier soll nun auf die weiteren Neuzugänge eingegangen werden.

Frank Bäumer beim GRENKE-Open 2018 (Foto: privat)

Frank Bäumer (DWZ 1947), aktiv für den SC Gambit Gusenburg, fand 1981 im Alter von 14 Jahren beim saarländischen Verein SF Differten zum Schach und wechselte nach einigen Erfolgen in der Jugend (z.B. der saarländischen Jugend-Mannschaftsmeisterschaft 1986) 1990 zum SC Anderssen St. Ingbert. 1995 kehrte er zu seinem Heimatverein zurück, der mittlerweile zu den SF Wadgassen-Differten fusioniert war. Nach einer längeren Schachpause feierte er 2014 in Gusenburg sein Comeback und hatte mit diesem Verein in den letzten Jahren großen Erfolg: 2015 stieg er in die Rheinland-Liga auf, 2020 in die 2. Rheinland-Pfalz-Liga.

Für den VfR Baumholder spielberechtigt ist unser zweiter Gastspieler Jaroslaw Szylman (DWZ 1894). Jaroslaw trat in den letzten Jahren vor allem durch gute Ergebnisse in der Mannschaft hervor, so mit herausragenden 8 Punkten aus 9 Partien in der 2. Pfalzliga 2013/14 und zuletzt mit 6,5 Punkten aus 7 Partien in der Bezirksliga 2019/20. Mit der Mannschaft des VfR hatte er mehrfach gute Platzierungen in der Liga, so schrammte er in der 2. Pfalzliga in den Spielzeiten 2013/14 und 2014/15 als Vizemeister knapp am Aufstieg vorbei.

Zuletzt freuen wir uns sehr, dass mit dem elfjährigen Julius Ehses ein saarländisches Nachwuchstalent als Gastspieler bei uns weitere Spielpraxis sammeln wird. Julius (DWZ 1033) spielt aktiv beim SV Merchweiler-Wemmetsweiler, wo er 2019 seine ersten Turnierpartien bestritt. Sein bislang bestes Ergebnis hatte er bei der Mitteldeutschen Vereinsmeisterschaft 2020 in Pirmasens, wo er gegen durchgängig höher bewertete Gegner starke 3 Punkte aus 5 Partien erzielte und seine DWZ um 200 Punkte verbesserte.

Neben diesen Gastspielern können wir uns auch über drei echte Vereinswechsel freuen. Mit Lena Mader (DWZ 1829) und Werner Weller (DWZ 1664) wechselten zwei Spieler zu uns, die in der Saison 2018/19 bereits als Gastspieler in unserer 1. Mannschaft tätig waren. Beide zählten über viele Jahre zu den Leistungsträgern des SC Ramstein-Miesenbach, Lena kann überdies auf eine lange und erfolgreiche Karriere im rheinland-pfälzischen Frauenschach zurückblicken: Siebenfache Pfalzmeisterin (2008, 2013, 2014 und 2019 im Turnierschach, 2013 und 2014 im Schnellschach, 2019 im Blitzschach), sechsfache Rheinland-Pfalz-Meisterin (2008, 2014 und 2019 im Turnierschach, 2017 im Schnellschach, 2017 und 2020 im Blitzschach), insgesamt 12 Teilnahmen an deutschen Meisterschaften, daneben der Sieg im B-Turnier der Hasslocher Schachtage 2017 schmücken ihre Vita.

Der dritte Neuzugang ist Tim Biehl (DWZ 1919, Foto: privat), der aus Saarbrücken zu uns wechselte. Da ich Tim seit vielen Jahren kenne und in den ersten Jahren seiner Karriere trainiert habe, freue ich mich sehr über seine Entscheidung. Tim hat freundlicherweise selbst einige Sätze zu seiner Person und seiner schachlichen Laufbahn verfasst:

„Ich spiele seit der 6. Klasse Schach in AG’s bzw. im Verein. Meine Stationen bislang waren die drei saarländischen Vereine SV Schiffweiler, SV Spiesen-Elversberg und SVG Saarbrücken. Während meiner Entwicklung in Schiffweiler lernte ich Mario kennen und spielte mit ihm in Spiesen-Elversberg mehrere Jahre zusammen. Anschließend trennten sich unsere Wege, aber wir verloren uns nie ganz aus den Augen. Nachdem ich mehrere Jahre in Saarbrücken von Bezirksliga bis Oberliga Südwest, von Spieler bis Vereinsvorsitzender, von Ersatzspieler bis Spitzenbrett einiges mitgemacht hatte, trat in den letzten Jahren die Familie stärker in den Mittel- und das Schach etwas in den Hintergrund. Nichtsdestotrotz brennt das Feuer nach wie vor und der Ehrgeiz ist vorhanden, weitere Lorbeeren zu erringen. Als Mario vom Plan eines Aufstiegs in die 1. Pfalzliga erzählte, war ein neuer Reiz gesetzt und die Tasche gepackt. Zwar macht Corona uns allen einen Strich durch die Rechnung, aber ich hoffe, bald wieder mit netten und freundlichen Menschen Schach spielen zu können.“

Dieser Hoffnung können wir uns nur anschließen. Wir freuen uns sehr über alle Verstärkungen der kommenden Saison und wünschen ihnen eine gute Zeit und viel Erfolg in Birkenfeld.

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