Alles eine Frage der Chancenverwertung – Die Deutschen Jugendmeisterschaft U12 aus Trainersicht

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Unsere „Reisegruppe“ (v.l.n.r.): Milan Schneble, Alexander Ehrlich, Patrick Ehrlich, Mario Ziegler und David Schwarz (SK Zweibrücken)

„Alle Chancen ausgelassen. Dabei haben wir das im Training überhaupt nicht geübt.“ Dieses Bonmot des bosnischen Fußballtrainers Aleksandar Ristić fasst zusammen, wie es unseren Startern bei der deutschen Jugendmeisterschaft 2020 erging. Natürlich wurden nicht alle Chancen ausgelassen, und natürlich waren die Gegner stark, dennoch war mit Sicherheit sowohl für Milan Schneble als auch für Patrick Ehrlich mehr drin.

Die erste gute Nachricht war, dass das Turnier überhaupt stattfinden konnte; angesichts der Corona-Krise, vielen tiefroten Kreisen und einem sich ankündigenden zweiten Lockdown beileibe keine Selbstverständlichkeit. Austragungsort war wie in den Vorjahren Willingen im Sauerland, aber vieles war anders als gewohnt: Weniger Teilnehmer und Betreuer da die Altersklassen auf zwei Wochen verteilt wurden, natürlich die allgegenwärtigen Hygienevorschriften, insgesamt – zumindest aus meiner Sicht – eine etwas sonderbare Stimmung zwischen „Toll, dass wir Schach spielen können!“ und „Aber was passiert, wenn es positive Fälle gibt?“ Vor dem Turnier waren alle beteiligten Personen von der Deutschen Schachjugend angehalten worden, am besten noch zu Hause PCR-Tests vornehmen zu lassen – was sich im Nachhinein als überflüssig entpuppte, da jeder Spieler und Mitreisende vor Ort noch einmal einen Schnelltest absolvieren musste, und zwar mit der Begründung, die vorherigen Tests lägen zu lange zurück. Hier wäre eine klarere Haltung der DSJ eindeutig sinnvoll gewesen, denn die heimischen Tests hatten natürlich Zeit und Geld gekostet.

Einmarsch der rheinland-pfälzischen Fahnenträgerin Riyanna Müller

Abgesehen davon war die DJEM wie immer gut organisiert. Die Eröffnungsfeier mit dem Einzug der Fahnenträger war wie üblich stimmungsvoll, auch ansonsten stimmte beim Turnier selbst und dem Drumherum, soweit ich es beurteilen kann, alles. Alle Partien wurden live übertragen, zudem gab es eine Kommentierung durch verschiedene Titelträger. Dieser Service war allerdings auch sinnvoll, denn im Gegensatz zu den Vorjahren durften lediglich die Spieler und die offiziellen Betreuer den Turniersaal betreten, nicht aber Eltern und Heimtrainer. Ich war also nicht ein einziges Mal in dem riesigen Turniersaal sondern erlebte (und durchlitt) die Partien online. Meine Haupttätigkeit bestand aber ohnehin in der Vorbereitung unserer Spieler auf die kommende Runde und die Nachbereitung der gespielten Partien.

Milan schloss das Turnier mit 2 Punkten aus 7 Runden ab, Patrick mit 1,5 Punkten – beides kein Unglück, aber sicher auch kein besonders gutes Ergebnis. Generell kann man sagen, dass beide einige Chancen liegen ließen. Für Milan war bereits in der 1. Runde gegen einen klar favorisierten Gegner ein Punktgewinn möglich, der ihm leider in Folge eines unglücklichen Tempoverlusts durch die Finger glitt, und dieser Trend setzte sich auch in den folgenden Runden fort. Das Niveau auf einer deutschen Meisterschaft ist, trotz aller Fehler, die die Jungs und Mädchen natürlich immer noch einbauen, erheblich höher als auf Landesebene, so dass solche vergebenen Chancen doppelt schwer wiegen. Es wird nun unsere Aufgabe sein, in den kommenden Wochen im Training die Partien aufzuarbeiten und die Fehler zu untersuchen.

Das Team Rheinland-Pfalz mit allen Spielern und Trainern (Foto: Thorsten Richter)

Doch losgelöst von Platzierungen und DWZ bedeutete für unsere Nachwuchstalente die Teilnahme an der deutschen Meisterschaft mit den besten Spielern ihres Alters eine großartige Erfahrung. Patrick überraschte mich während der Meisterschaft mit dem Satz, dies sei das erste Turnier, wo er in jeder Partie intensiv arbeiten und über jeden Zug genau nachdenken würde – und das wolle er auch in Zukunft tun. Diese Einstellung ist genau die richtige, um weitere Erfolge feiern zu können. Und das ist die zweite gute Nachricht: Milan und Patrick gehen sehr viel stärker aus der deutschen Meisterschaft heraus als sie sie aufgenommen haben. Wir können uns auf weitere starke Leistungen von ihnen freuen.

Ergebnisse und Tabellen auf der Turnierseite der DSJ

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