Sabine Vizemeisterin im Turnierschach!

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Die Erfolge unserer Mitglieder reißen nicht ab. Nach zuletzt vielen tollen Ergebnissen unserer Jugendspieler setzte nun Sabine Ziegler bei den rheinland-pfälzischen Frauen-Einzelmeisterschaften ein Ausrufezeichen.

Nachdem die Frauenmeisterschaften zuletzt jeweils von unserem Verein ausgerichtet wurden, übernahm 2018 der SC Landskrone diese Aufgabe. In der Emondshalle in Oppenheim fanden die Spielerinnen hervorragende Bedingungen vor, einschließlich einer wunderbaren Rundum-Versorgung mit Speisen und Getränken. Wieso sich dennoch nur 8 Teilnehmerinnen nach Oppenheim wagten – und wieso z. B. keine einzige Spielerin des SC Schott Mainz teilnahm, obwohl praktisch vor der eigenen Haustür gespielt wurde – wird mir ewig ein Rätsel bleiben.

Aus unserem Verein nahmen Lena Mader und Sabine Ziegler teil, letztere war bis unmittelbar vor Turnierbeginn unschlüssig, ob sie überhaupt spielen oder als Frauenreferentin des SBRP nur die offiziellen Pflichten übernehmen wollte. Letztlich entschloss sie sich zur Teilnahme. Da ich ausnahmsweise nicht selbst vor Ort war, sondern zeitgleich in Baden-Baden ein Jugendturnier veranstaltete, wurde ich per WhatsApp auf dem Laufenden gehalten. Das las sich etwa so: „War echt schrecklich. Habe die Partie total in den Sand gesetzt und eigentlich verloren, aber die Gegnerin hatte Angst vor meinem letzten verzweifelten Angriff und hat eine Figur eingestellt. Total unnötig, die Partie war so was von platt.“
Das ist nun ziemlich genau das, was man als Trainer und Ehemann nicht lesen möchte. Und leider war Sabines Einschätzung auch noch richtig. In der Auftaktpartie gegen Mandy Kalina (SC Landskrone) – auf dem Papier mit DWZ 994 die einzige schwächere Spielerin als Sabine im gesamten Feld – ergab sich folgende Stellung (Sabine mit Schwarz):

Ja, die Stellung ist platt, weil h6 fallen und danach der weiße Angriff den schwarzen König in wenigen Zügen zur Strecke bringen wird. Sabine entschloss sich zu 25…Sc5, wonach ein einfaches Wegziehen der Dame Weiß eine Gewinnstellung verschafft hätte. Der Partiezug 28.Sxh6+? hingegen sichert Schwarz zunächst einmal das Überleben: 28…Dxh6. Erzwungen ist nun erneut ein Damenzug, wonach die Stellung unklar bleibt. Mit den Damen hat Weiß ausreichende Chancen gegen den geschwächten schwarzen Monarchen. Doch es folgte 29.Txh6? Sxe4 und hier wiegen die beiden Bauern die Minusfigur nicht auf. Folgerichtig gewann Schwarz in wenigen Zügen.

Am folgenden Tag stand die Partie gegen Lena auf dem Programm. Diese war genau so holprig ins Turnier gestartet und gegen die talentierte Jugendspielerin Qizhou Yue (SV Multatuli Ingelheim, DWZ 1527) nach 80 Zügen nicht über ein Remis hinausgekommen. Gegen Sabine fuhr sie ihren ersten Punkt ein, da sich Sabines Vorgehen mit den Bauern am Königsflügel als verfrüht herausstellte.

Zur Schlüsselpartie für Sabine entwickelte sich der Vergleich mit Qizhou Yue in Runde 3. Ein scharfes Duell mit heterogenen Rochaden entwickelte sich besser für Qizhou. Der kritische Moment nahte im 25. Zug:

Hier kann Weiß (Qizhou) gewinnen, aber dafür muss sie das Opfer 25.Txg5! finden (25…hxg5 26.Dg4 und vermutlich muss Schwarz nun mit 26…Tg8 die Qualität zurückgeben, wonach Weiß aber auf Gewinn steht). Aber das muss man natürlich erst einmal sehen. In der Partie folgte 25.Tg2? Sg8 26.Dh3 (vielleicht geht das Qualitätsopfer immer noch, aber nun ist es alles andere als klar, geschweige denn gewonnen: 26.Txg5 hxg5 27.Dg4 dxc5 und nach 28.Dxg5 kann Schwarz 28…De7 spielen, was alles deckt) 26…dxc5. Mittlerweile hat Weiß einen Minusbauern, aber mit Sicherheit ausreichend Kompensation dafür. Nach 27.d6? hingegen fällt noch ein zweiter Bauer: 27…Tf6 28.Lf5 Tfxd6, wonach Schwarz plötzlich auf Gewinn steht und diesen nach 42 Zügen auch realisierte.

Sabines Schlüsselpartie gegen Qizhou Yue, Runde 3.

Runde 4 und „Mission impossible“ gegen die klare Turnierfavoritin Sabrina Ley (SV Turm Lahnstein, DWZ 1931), die in der Runde zuvor die Spitzenpartie gegen Lena gewonnen hatte. Gegen sie war logischerweise sowieso nichts zu holen, also kann man ja auch angreifen:

Sabrina (Schwarz) hat die Partie ziemlich dubios angelegt, vor allem der ansonsten typische Königsindische Vorstoß …f7-f5 war schlecht getimed. Weiß möchte natürlich mit Sf3-g5 fortsetzen, und gegen diesen Zug richtet sich 12…h6. Leider verhindert dieser Zug überhaupt nichts: 13.Sg5!, verbunden mit einem Remisangebot. Sabrina überlegte fast 40 Minuten und nahm dann an. Es ist klar, dass Schwarz den Springer wegen Dh5+ nicht schlagen kann, also kommt z.B. folgende Variante in Betracht: 13…De7 (das Springerschach auf f7 möchte man natürlich nicht zulassen) und nun berechneten beide Spielerinnen 14.Dh5, wonach 14…Sdf6 15.Sf7+ das Dauerschach forciert. Der Computer sieht Weiß sogar im Vorteil nach 14.Se6 Tf6 15.Sf4, aber selbst wenn Weiß das „menschlichere“ 15.Sxg7 spielt, ist ihre Stellung sehr stark. Dennoch: Remis gegen einen 600 DWZ stärkere Gegner – wer hätte das nicht mitgenommen?

2,5 aus 4, das Turnier war bereits jetzt ein Erfolg. Wie groß dieser ausfallen würde, musste sich in der letzten Runde entscheiden, in Sabines Schwarzpartie gegen Anke Orschiedt-Eghbali (SK Landau, DWZ 1491).

Es ist offensichtlich, dass bei Weiß die Eröffnung nicht gut gelaufen ist: Der König steht unsicherer als der schwarze, vor allem ist der Damenflügel unterentwickelt. Genau dieses Problem hätte Weiß nun angehen müssen. Nach 23.Sd2, was sozusagen den einzigen noch spielbaren Zug darstellt, kann Schwarz zwischen 23…Dg3 und 23…Lh6 wählen und steht in beiden Fällen deutlich angenehmer, aber noch nicht auf Gewinn. Nach der Partiefortsetzung sieht dies ganz anders aus: 23.d4? Dc1+! 24.Kh2 (24.Df1 scheitert natürlich an 24…Db2) 24…Tf8 25.Dd2.

Muss Schwarz die Damen tauschen? Das wäre offensichtlich im Sinne der Gegnerin. Der Computer findet eine überzeugende Lösung, nämlich 25…Tf1!, wonach der Turm wegen der Springergabel auf f3 tabu ist. Sabines Idee ist schwächer, wenn auch kreativ: 25…Sf3+?! 26.Lxf3 Df1. Das hatte Sabine vor dem Springeropfer berechnet und natürlich auch die Möglichkeit 27.Lg2 Tf2 gesehen. Es ist einfach Künstlerpech, dass Weiß sich danach in ein Dauerschach retten kann: 28.Dg5 Lh6 29.Dd8+ usw. In der Partie ging Anke an der Rettungschance vorbei: 27.Dg2? Txf3 28.Sa3 Dxg2+. Das ist die technische Lösung, die zu einem gewonnenen Endspiel führt. Der Computer packt hier 28…Dd3 aus. Der vermeintliche Figurengewinn 28…Dxa1 29.Dxf3 Dxa2+ 30.Kg3 Dxa3?? scheitert übrigens am Matt 31.Da8+. 29.Kxg2 Txc3 30.Sb5 Tc2+ 31.Kf3 a6 32.Sa3 Tc3+ 33.Kg4 Lxd4 34.Te1 h5+ 0:1

Ein verdienter Sieg! Und am Ende eines Turniers, das mit einer Zitterpartie begonnen hatte, steht eine Vizemeisterschaft im Turnierschach für Sabine, mit Sicherheit ihr bestes Ergebnis überhaupt. Ihre DWZ verbesserte sich um 67 Punkte und liegt nun wieder über 1400. Ebenfalls einen Zugewinn erzielte Lena, die in der 4. und 5. Runde noch zwei volle Punkte gegen Cornelia Lerch und Mandy Kalina (beide SC Landskrone) einfuhr und das Turnier auf Platz 3 beendete. Den Vortritt mussten sie lediglich Sabrina Ley lassen, die außer der Partie gegen Sabine alle Gegnerinnen besiegte. Es ist sehr erfreulich, dass mit ihr wieder eine junge Spielerin den Landestitel erringt und unser Bundesland auf der deutschen Meisterschaft vertreten wird.

Weitere Informationen auf der Homepage des SC Landeskrone.

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Manuel Gauer

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