Rheinland-Pfalz-Meisterschaft U10/U12 in Birkenfeld

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Blick in den großzügigen Turniersaal im Gymnasium Birkenfeld

Sonntag, 8.März 2020, 14.00 Uhr. Die letzte Runde der Rheinland-Pfalz-Meisterschaft in den Altersklassen U10 und U12 wird freigegeben. 32 Uhren werden in Gang gesetzt, 64 junge Schachsportler vertiefen sich in ihre letzte Partie, die für einige von ihnen Meisterehren und Pokale bringen wird. Und über allem schwebt die Frage, wer sich für die nächste Deutsche Jugendmeisterschaft vom 30. Mai bis zum 7. Juni in Willingen qualifizieren wird.

Wir hatten dieses Jahr zum ersten Mal die Gelegenheit, eine große Landesmeisterschaft auszurichten. Sehr schnell erhielten wir die Zusage, als Austragungsort das Gymnasium Birkenfeld nutzen zu dürfen. In diesem Zusammenhang gilt unser Dank dem Kreis Birkenfeld, der uns die kostenlose Nutzung der Örtlichkeiten gestattete, und vor allem unserem Mitglied Torsten Holzbach, der als Lehrer am Gymnasium die Koordination vor Ort übernahm. Soweit bekannt waren alle Besucher sehr angetan vom großzügigen Turniersaal und der Cafeteria, die an beiden Turniertagen ein abwechslungsreiches Angebot an Speisen und Getränken zur Verfügung stellte.

Aus unserem Verein gingen fünf Nachwuchsspieler an den Start. In der U10 bestritt Fynn Didas sein erstes großes Turnier und hielt in allen Partien gut mit den wesentlich erfahreneren Gegnern mit. Für ihn, wie auch für Felix Shilinski und Leon Wollscheid, die beide in der U12 starteten, brachte der Vergleich mit den besten Jugendspielern ihrer Altersklasse wichtige Erfahrungen, die ihnen in künftigen Turnieren sehr weiterhelfen werden. Alle drei sind große Talente, die in der Zukunft zu Leistungsträgern in unserem Verein werden können.

Clara in ihrer Partie gegen Johanna Richter

In der Altersklasse U10w ging Clara Johann als DWZ-Favoritin ins Rennen. Nach zwei Siegen zum Auftakt verlor sie eine Schlüsselpartie nach zwischenzeitlicher Gewinnstellung gegen Johanna Richter (SF Heidesheim) und landete am Ende auf Platz 4, allerdings in einem sehr engen Turnier, in dem sie lediglich einen halben Punkt weniger sammelte als die Turniersiegerinnen. Verständlicherweise war Clara nicht ganz zufrieden mit ihrem Abschneiden, aber 5 Punkte aus 7 Runden gegen starke Gegnerinnen ist ein sehr ordentliches Ergebnis, vor allem wenn man es mit dem Vorjahr vergleicht, als Clara gegen die größtenteils gleichen Gegnerinnen lediglich 2 Punkte erzielte. Clara hat ein tolles Jahr mit vielen starken Ergebnissen bei Jugendturnieren, einer großartigen Saison in der Mannschaft und – last but not least – dem Gewinn der Pfälzischen U10-Meisterschaft hinter sich und wird den 4. Platz als Anreiz sehen, noch weiter an ihrem Schach zu arbeiten. Die U10w-Meisterschaft bot übrigens den knappsten Ausgang aller Turniere: Am Ende standen Johanna Richter und Anna Wolf (Vorwärts Orient Mainz) punktgleich an der Spitze, und da auch die Feinwertung identisch war, kam es zu einem Stichkampf. Nachdem sowohl die beiden Schnellpartien als auch die danach angesetzten beiden Blitzpartien jeweils 1:1 endeten, verzichtete Turnierleiter Stefan Ritzheim vernünftigerweise darauf, das Turnier in der Lotterie einer Armageddon-Partie entscheiden zu lassen und erklärte beide zu Siegerinnen.

Patrick wirkte bereits vor seiner Schlussrundenpartie gegen David Schwarz recht siegessicher.

Nur unwesentlich weniger spannend verlief das Finale in der U12, diesmal sogar mit Birkenfelder Beteiligung. In dieser Altersklasse startete neben Felix und Leon auch Patrick Ehrlich, der den Turnierstart mit zwei Niederlagen klassisch in den Sand setzte. Doch danach drehte er gewaltig auf, holte in den folgenden vier Runden vier Siege und schlug unter anderem seine „Angstgegner“ Steven Hesse (SG Kaiserlautern) und David Schaser (SC Weilerbach), gegen die er bei vergangenen Turnieren oft nicht gut ausgesehen hatte. Und so fand sich Patrick in der letzten Runde auf einmal am Spitzenbrett wieder, diesmal gegen den Überraschungsspieler des Turniers, David Schwarz vom SK Zweibrücken.

Bevor auf diese letzte Runde eingegangen werden soll, muss ein zweiter junger Schachspieler genannt werden. Der amtierende Pfalzmeister Milan Schneble (SC Bann) wird zur kommenden Saison zu den Schachfreunden Birkenfeld wechseln, so dass wir auch mit ihm besonders mitfieberten. Bei seinem „halben Heimspiel“ gelang ihm ein makelloser ersten Tag mit vier Siegen, wodurch er folglich die Tabellenspitze übernahm. In der 5. Runde kassierte er aber unerwartet eine Niederlage gegen David Schwarz, so dass dieser zu ihm aufschließen konnte. Gegen den starken Fabian Mader (VfR-SC Koblenz) hatte Milan in der 6. Runde gewissermaßen „Matchball“: Ein Sieg hätte ihm vorzeitig die Qualifikation für die deutsche Jugendmeisterschaft eingebracht. Aber in einem vorteilhaften Endspiel mit Mehrbauer, das ich eigentlich als gewonnen für ihn eingeschätzt hatte, fand er keinen Gewinnplan, die Zeit lief immer mehr ab und Milan beschloss, das Schicksal nicht unnötig herauszufordern und bot Remis an. So kam es zu folgender Konstellation in der Schlussrunde:

Patrick Ehrlich (4) – David Schwarz (5)
Finn Trenz (4) – Fabian Mader (4,5)
Milan Schneble (4,5) – Michael Schreidl (4)

Aus dem Kreis dieser sechs Spieler würden sich die vier Qualifikanten ergeben. Lediglich David war bereits vor der Runde qualifiziert, für ihn ging es „nur noch“ um den Titel des Landesmeisters. Fabian und Milan würde ein Remis sicher reichen, aber es war klar, dass ihre jeweiligen Gegner, ebenso wie Patrick, unbedingt den vollen Punkt benötigten. Die Spannung war mit Händen zu greifen. Als erstes endete die Partie an Brett 2, für mich unerwartet schnell, mit einem Remis. Finn sicherte sich damit nach starkem Turnier einen Spitzenplatz, gab aber die Chance auf die Qualifikation aus der Hand; Fabian löste somit als zweiter Spieler das Ticket nach Willingen. Am Spitzenbrett ging Patrick seine Partie gegen David aggressiv an, dieser reagierte aber richtig und kam zu starkem Gegenspiel. Letztlich entschied ein Moment der Unachtsamkeit die Partie, als David Material verlor und Patrick wenige Züge später die vielleicht wichtigste Partie seiner bisherigen Schachkarriere gewinnen konnte. Am Ende belegte er Platz 4 und wird unseren Verein auf der Deutschen Meisterschaft vertreten.

Milan gegen Michael Schreidl: Die Partie, die über die Meisterschaft entschied.

Es blieb noch die Frage nach dem vierten Qualifikanten, die gleichzeitig auch die Frage nach dem Turniersieger beantworten musste. Milan reichte ein Remis zur Qualifikation, ein Sieg würde ihm den Titel bescheren, eine Niederlage würde ihn auf Platz 5 abrutschen lassen. Nach ruhiger Eröffnung und weitgehend ereignislosem Mittelspiel mündete die Partie in ein Bauernendspiel, in dem Remis sicher das gerechte Ergebnis gewesen wäre. Aber Michael durfte nun einmal nicht remisieren. Letztlich erwies sich in einer dramatischen und von beiderseits hoher Zeitnot geprägten Schlussphase Milans Freibauer als schneller als der gegnerische und wurde zum Garant des Sieges und damit seines ersten Titelgewinns bei einer Rheinland-Pfalz-Meisterschaft. Es ist müßig zu erwähnen, dass dies auch für ihn den größten Erfolg seiner bisherigen Karriere darstellt.

Wir gratulieren Milan und Patrick ganz herzlich zu diesem tollen Erfolg und wünschen schon jetzt alles Gute für die Deutschen Meisterschaften! Ob sich weitere Qualifikanten aus unserem Verein hinzugesellen werden, entscheidet sich bei der Rheinland-Pfalz-Meisterschaft U14 (mit Elias Cullmann) und U16 (mit Niklas Leyendecker und Emil Bleisinger) vom 14. bis 18. April in Pirmasens.

Alle Ergebnisse sind über die Seite der Schachjugend Rheinland-Pfalz aufzurufen.

Die neuen Rheinland-Pfalz-Meister: stehend Luca Hanson Huang (U10), Anna Wolf (U10w), Milan Schneble (U12), kniend Johanna Richter (U10w) und Riyanna Müller (U12w)

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