Frauen-Ländermeisterschaft 2016 in Braunfels

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Eine typische Stadtansicht von Braunfels

Eine typische Stadtansicht von Braunfels

Das Mekka des deutschen Frauenschachs ist um Fronleichnam das Städtchen Braunfels in Hessen, wo alle Jahre wieder die Deutsche Frauen-Mannschaftsmeisterschaft der Landesverbände ausgetragen wird. Mit einigem Stolz wurde bei der Eröffnung darauf hingewiesen, dies sei das einzige Frauen-Schachturnier, bei dem mehr als 100 Spielerinnen zusammenkämen. Dazu tragen sicher auch die nahezu perfekten Spielbedingungen bei: Der geräumige Spielsaal im „Haus des Gastes“, die weitgehend entspannte Atmosphäre und nicht zuletzt die schöne Umgebung, in der man auch die „schachfreie Zeit“ angenehm verbringen kann.

2016 gingen 11 Mannschaften ins Rennen, als Favoriten galten nach dem Durchschnitt der DWZ Titelverteidiger Nordrhein-Westfalen und Bayern. Doch auch die anderen Vertretungen brachten schlagkräftige Teams an den Start, so dass mit einem spannenden Turnier zu rechnen war. Insgesamt nahmen 23 Titelträgerinnen an der Meisterschaft teil, angeführt von der russischen Großmeisterin Karina Ambartsumova am Spitzenbrett von Württemberg.

Team Rheinland-Pfalz. V.l.n.r.: Lena Dellert, Monika Braje, Christina Marx, Sanja Perovic-Ottstadt, Esther Imelmann (verdeckt), Yuliya Krasnopeyeva, Sabine Ziegler, Sabrina Ley

Team Rheinland-Pfalz. V.l.n.r.: Lena Dellert, Monika Braje, Christina Marx, Sanja Perovic-Ottstadt, Esther Imelmann (verdeckt), Yuliya Krasnopeyeva, Sabine Ziegler, Sabrina Ley

Angesichts solcher „Frauenpower“ war klar, dass für das rheinland-pfälzische Team in einigen Wettkämpfen nicht viel zu holen sein würde. Unsere Mannschaft bestand aus Lena Dellert (DWZ 1827, SG Trier), Yuliya Krasnopeyeva (1805, TSV Schott Mainz), Monika Braje (1732, SG Trier), Sabrina Ley (1746, SV Turm Lahnstein), Christine Zemke (1642, TSV Schott Mainz), Mara Schlich (1638, SF Nickenich), Esther Imelmann (1610, Vorw. Orient Mainz), Christina Marx (1513, SC 1924 Kettig), Dr. Sanja Perovic-Ottstadt (1449, SC Landskrone) und Sabine Ziegler (1361, SF Birkenfeld).

Die erste Runde brachte gleich eine herbe 0:8-Klatsche von Bayern. Allerdings täuscht dieses Ergebnis etwas über den Spielverlauf hinweg. Natürlich hatten wir gegen die mit 5 Titelträgerinnen aufgelaufene  bayerische Mannschaft nicht die geringste Chance auf einen Mannschaftspunkt, aber an mehreren Brettern wurden die Partien lange ausgekämpft und gingen – teilweise sehr unglücklich – erst im Endspiel verloren. Besonders hervorzuheben sind die starken Partien von Lena und Sabrina gegen die Internationalen Meisterinnen Nellya Vidonyak und Milka Ankerst.

Rheinland-Pfalz gegen Bayern. Vorne am Spitzenbrett Lena gegen Nellya Vidonyak, dahinter Yuliya gegen Nadja Jussupow

Rheinland-Pfalz gegen Bayern. Vorne am Spitzenbrett Lena gegen Nellya Vidonyak, dahinter Yuliya gegen Nadja Jussupow

In der zweiten Runde kam es zum „Südwest-Derby“ gegen das Saarland, genau genommen gegen die Spielgemeinschaft Saarland/Schleswig Holstein, wobei aber 7 Spielerinnen aus unserem Nachbarland stammen. Nach hartem Kampf endete dieser Vergleich 5:3 zu unserem Gunsten. Die Siegpunkte erzielten Julia, Christine, Esther und Christina, Sabrina steuerte ein Remis bei. Das zweite Remis holte bei ihrem ersten Einsatz Sabine am 8. Brett gegen die mehrfache Saarlandmeisterin Sonja Noll (SC Caissa Schwarzenbach), die in der kommenden Regionalliga-Saison übrigens unsere Frauenmannschaft als Gastspielerin unterstützen wird.

Sabine gegen Sonja, dahinter Christina gegen Katharina Weiten

Sabine gegen Sonja, dahinter Christina gegen Katharina Weiten

Auch im nachfolgenden Wettkampf gegen Hamburg war ein Sieg möglich. Leider wurden in der „heißen Phase“ des Matches einige Chancen ausgelassen, so dass am Ende ein etwas unglückliches 4:4 heraussprang. Neben 4 Remis verbuchten Sabrina in einer hübschen Angriffspartie sowie Sanja die beiden Brettsiege.

Die Bretter 5-7 im Wettkampf gegen Hamburg: vorne Christina mit Schwarz gegen Bessie Abram, dahinter Esther gegen Nina Höfner und Christine gegen Karen Pump

Die Bretter 5-7 im Wettkampf gegen Hamburg: vorne Christina mit Schwarz gegen Bessie Abram, dahinter Esther gegen Nina Höfner und Christine gegen Karen Pump

Nach diesen beiden schlagbaren Gegnern folgte in der vierten Runde der nächste „Brocken“ in Gestalt der hessischen Vertretung. Die Auswahl des Gastgebers erlaubte sich sogar den Luxus, ihr Spitzenbrett, die FIDE-Meisterin Caroline Rieseler (DWZ 2038) pausieren zu lassen. Am klaren 6:2 änderte dies nichts, wobei auch hier ein etwas besseres Ergebnis möglich gewesen wäre. Sehr respektabel die beiden Siege von Julia gegen FIDE-Meisterin Mira Kierzek und von Esther gegen Nicol Zahn. Sabine kam in diesem Wettkampf zu ihrem zweiten Einsatz und verlor gegen Katharina Pralle (DWZ 1860).

Sabine in ihrem zweiten Einsatz, dahinter Sanja gegen die Nachwuchsspielerin Helene Flach

Sabine in ihrem zweiten Einsatz, dahinter Sanja gegen die Nachwuchsspielerin Helene Flach

In der letzten Runde waren wir spielfrei. Den dramatischen Fight um den Turniersieg, den nach zwei ausgekämpften Unentschieden in den Spitzenpaarungen letztlich Bayern vor Württemberg verbuchte, verfolgten wir nur als Außenstehende. 5:5 Punkte und Platz 7 entspricht ziemlich genau den Erwartungen nach der Setzliste. Sportlich bleibt Spielraum nach oben, was Zusammenhalt und Stimmung angeht war die Mannschaft 2016 bereits meisterlich.

Weitere Informationen, Bilder und Tabellen auf der Turnierseite.

Zur Abwechslung auch mal ein anderes Spiel als Schach!

Zur Abwechslung auch mal ein anderes Spiel als Schach!

 

2 Antworten zu “Frauen-Ländermeisterschaft 2016 in Braunfels”


  1. avatar Dominik

    Wie immer ein schöner Bericht!

    Auch die Person, welche die Ligaübersicht gemacht hat ein großen Dank.
    Trotzdem hat sich ein Fehler ein geschlichen!
    Unsere 5 Manschaft hat noch nie bisher in der Kreisklasse B gespielt.

  2. avatar Marcus

    Glückwunsch zur Teilnahme am Turnier und zu den guten Ergebnissen für die Mannschaft und auch Sabine selbst.

    Jungs, wir müssen was tun – zwei Teilnehmerinnen im letzten Monat auf Deutschen Meisterschaften … da gibt’s für uns noch Luft nach oben. 😉

    @Dominik: Schön dass es jemandem auffällt und nützlich erscheint. 🙂 Den Fehler bei der letzten Saison habe ich korrigiert – für die Saison davor stimmt es allerdings, sieht verlinkte Detailseite und dort die Links auf die jeweiligen Tabellen.
    Danke!