Starker Auftritt gekrönt: Emma Didas holt erstmals den Landesmeistertitel
Die Rheinland-Pfalz-Meisterschaft aus Trainersicht – ein Rückblick von Mario Ziegler

Als ich am 11. April nach fünf intensiven Tagen als Trainer bei der Rheinland-Pfälzischen Jugendmeisterschaft die Heimreise antrat, stellte sich wieder dieses vertraute Gefühl ein: Man verlässt eine eigene kleine Welt und taucht zurück in den Alltag. Plötzlich geht es nicht mehr um DWZ-Punkte oder Buchholzwertung, Gespräche drehen sich nicht mehr um Bauernzentren oder die Feinheiten der Spanischen Eröffnung – die „Schach-Bubble“ bleibt zurück. Zeit also für ein Resümee der diesjährige Rheinland-Pfalz-Meisterschaft – ausdrücklich aus meiner ganz persönlichen Perspektive.
Die Spielbedingungen in Pirmasens waren insgesamt sehr gut. Die CityStar-Jugendherberge gehört nicht ohne Grund zur höchsten Kategorie: Der große Turniersaal war ideal, der kleinere ebenfalls gut geeignet. Auch Zimmerkomfort, Freizeitangebote und Verpflegung ließen nichts zu wünschen übrig. Deutliche Schwächen zeigte jedoch der Zeitplan. Mit Rundenbeginn um 9:00 Uhr und 14:00 Uhr war absehbar, dass die Mittagessenszeit (12:00–13:30 Uhr) kaum einzuhalten sein würde. Tatsächlich mussten Partien unterbrochen werden, damit Spielerinnen und Spieler ihre Mahlzeit einnehmen konnten. Unabhängig von möglichen Problemen durch Cheating sorgte es für zusätzlichen organisatorischen Aufwand, was die einfache Frage aufwirft: Warum wurde der Beginn nicht – wie in den Jahren zuvor – früher angesetzt? Noch 2022 bis 2024 starteten die Vormittagsrunden um 8:00 bzw. 8:15 Uhr. Eine Vorverlegung um nur 30 Minuten hätte die Schwierigkeiten zumindest entschärft.
Auch am letzten Turniertag setzte sich diese Linie fort. Statt planmäßig um 9:30 Uhr zu starten, verzögerte sich der Beginn weiter – unter anderem durch einen längeren Vortrag des Turnierleiters zur Schachnotation. Inhaltlich mag das sinnvoll sein, der Zeitpunkt unmittelbar vor der Schlussrunde war es sicher nicht: Das Turnier war nahezu beendet, die Spieler ohnehin angespannt und wollten ihre Partien beginnen. Im Anschluss folgten Aktionen, die bei vielen Beteiligten auf Unverständnis stießen. Eine musikalische Einlage für Geburtstagskinder sowie die ungefragte Präsentation eines alten Videos einer Betreuerin beim Klavierspiel wirkten deplatziert und sorgten eher für Irritation als für Auflockerung – insbesondere, da die Betroffene vorab nicht informiert worden war.

Die ohnehin verspätet gestartete Schlussrunde führte dazu, dass um 13:30 Uhr noch Partien liefen. Dennoch begann die Siegerehrung wie angekündigt zu diesem Zeitpunkt. Spielerinnen und Spieler wurden teilweise übersprungen oder zusammen aufgerufen, die Ansprache war schlecht verständlich – ein würdiger Rahmen für die wichtigste Jugendmeisterschaft des Landes entstand so nicht. Die Ankündigung, künftig ganz auf eine gemeinsame Siegerehrung der Altersklassen verzichten zu wollen verstärkte den Eindruck, man habe die Angelegenheit einfach möglichst schnell über die Bühne bringen wollen. Abschließend sei betont: Die Organisation eines solchen Turniers erfordert großen Einsatz und erfolgt ehrenamtlich – das verdient Anerkennung. Umso bedauerlicher ist es, dass vermeidbare organisatorische Schwächen und unglückliche Entscheidungen ein sportlich gelungenes Turnier in hervorragenden Räumlichkeiten mit einem unnötigen negativen Beigeschmack versehen haben.

Zum sportlichen Abschneiden: Für unseren Verein gingen Milan Schneble (U18) sowie in der U14w das Trio Emma Didas, Helena Frydel und Lena Henn an den Start. Während in der U18 starke Konkurrenz wartete, durften wir uns in der Mädchenklasse berechtigte Hoffnungen machen.
Milan erlebte ein wechselhaftes Turnier: Überzeugenden Siegen standen unglückliche Niederlagen gegenüber – teilweise trotz starker Partien und aussichtsreicher Stellungen. Mit 2,5 Punkten und Rang 8 blieb er hinter seinen eigenen Erwartungen zurück. Dennoch steht seine schachliche Klasse außer Frage, und das Turnier spiegelt sein tatsächliches Leistungsvermögen nur unzureichend wider. Auch nach seiner mit diesem Turnier endenden Jugendzeit wird er seinen Weg erfolgreich fortsetzen.
Die U14w verlief von Beginn an spannend und umkämpft. Das scheinbar deutliche Endergebnis täuscht über den engen Turnierverlauf hinweg. Maßgeblichen Anteil daran hatte Nathalie Stein (SF Nickenich), die – mit der niedrigsten DWZ gestartet – ein bärenstarkes Turnier spielte und 4,5 Punkte erzielte. Dass dies „nur“ zum vierten Tabellenplatz reichte, da mit Eva Krannich (Sfr. Heidesheim) und Ella Reuber (SF Ochtendung) zwei andere Spielerinnen punktgleich waren und die bessere Wertung aufwiesen, zeigt eindrucksvoll, wie eng und ausgeglichen das Feld war. Helena Frydel landete mit 3,5 Punkten auf Platz 5 – bei einem Sieg in der letzten Runde, der durchaus möglich gewesen wäre, wären sie auf dem Podest gestanden. Ebenfalls unter Wert wurde Lena Henn geschlagen. Sie erzielte nur ein Remis, zeigte sich aber in nahezu allen Partien als gleichwertige Gegnerin. Am Ende fehlte oft nur das Quäntchen Erfahrung für ein deutlich besseres Ergebnis.

Aus einem insgesamt ausgeglichenen Feld hebt sich die Leistung von Emma Didas deutlich hervor. Emma spielte in Pirmasens das vermutlich beste Turnier ihrer bisherigen Karriere. Sie blieb als einzige Spielerin ungeschlagen und geriet in keiner Partie ernsthaft in Verlustgefahr. Nach den beiden Auftakterfolgen gegen Lena und Helena trennte sie sich in der 3. Runde von Ella Reuber mit Remis. Eine Schlüsselpartie war ihr Sieg in der 4 Runde gegen die zu diesem Zeitpunkt punktgleiche Nathalie Stein. Nach dem zweiten Remis in der 5. Runde gegen Eva Krannich blieben ihr Ella und Nathalie mit jeweils einem halben Punkt Rückstand im Nacken, doch hatte Emma es selbst in der Hand, mit zwei Siegen das Turnier zu gewinnen. Der erste gelang in der 6. Runde gegen Julia Stein und vergrößerte den Vorsprung auf einen vollen Punkt. Nun reichte sogar ein Remis in der Schlussrunde. Dass stattdessen ein weiterer Sieg heraussprang lag daran, dass ihre Gegnerin Maria Cucorada (SF Bitburg) eine Kombination verpasste, die unter doppeltem Figurenopfer zu einem Dauerschach geführt hatte. So wuchs der Vorsprung erneut an und betrug letztlich 1,5 Punkte – eine Welt im Schach. Abgerundet wurde der Erfolg unserer Spielerinnen durch einen Doppelerfolg von Emma und Lena bei der Rheinland-Pfalz-Jugend-Blitzmeisterschaft U14w (Platz 1 und 2).
Emma reiht sich mit diesem Erfolg, der ihr das „Double“ aus Pfalz- und Rheinland-Pfalz-Meisterschaft einbringt, in die Reihe der Jugendspielerinnen und Jugendspieler unseres Vereins ein, die sich die Schachkrone unseres Bundeslandes aufsetzen konnten. Nach Katharina Bohrer (2016 und 2017), Helena Frydel (2022 und 2023) und David Schwarz (2025) gelingt ihr als viertem Nachwuchstalent der Schachfreunde Birkenfeld dieser herausragende Erfolg. In wenigen Wochen wird sie Rheinland-Pfalz bei den Deutschen Meisterschaften in Willingen vertreten.
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